Wärmemarkt
Neben der Mobilität ist der Wärmemarkt der zweite große Anwendungsbereich für flüssige Energieträger. Rund 19% aller Wohnungen in Deutschland heizen heute mit Öl. Die regionale, tagtäglich verlässliche und kundennahe Versorgung mit Heizöl, einem flüssigen Energieträger mit hoher Energiedichte und hohen normativen Qualitätsstandards, wird hauptsächlich durch mittelständische, meist familiengeführte Energiehändler sichergestellt. Vorwiegend im ländlichen Raum sorgen sie, insbesondere in der vergangenen Heizperiode 2025/2026, für sichere und bezahlbare Wärme.
Das Gebäudemodernisierungsgesetz
Mehr als zwei Drittel des Energieverbrauchs im Bereich Wohnen entfällt auf die Raumwärme. Es ist daher nicht überraschend, dass ca. 40% der deutschen CO2-Emissionen auf den Wärmesektor entfallen, hierin also ein großes Potential zur Reduzierung der Gesamt-CO2-Emissionen liegt.
Mit dem am 29. Juli 2026 in Kraft getretenen Gebäudemodernisierungsgesetz wurde die bisherige einheitliche Vorgabe von 65 Prozent erneuerbarer Energien für neu eingebaute Heizungen abgeschafft. Eigentümer können wieder selbst entscheiden, ob sie beispielsweise eine Wärmepumpe, Fernwärme, ein Hybridsystem, eine Biomasseheizung oder weiterhin eine Gas- oder Ölheizung nutzen.
Für neu eingebaute Öl- und Gasheizungen gilt jedoch ab 2029 eine schrittweise steigende Anforderung an den Einsatz klimaneutraler Brennstoffe. Ab 2045 müssen die eingesetzten Brennstoffe vollständig klimaneutral sein. Daneben soll eine Grünheizöl- und Grüngasquote für die Inverkehrbringer eingeführt werden. Details hierzu werden Ende 2026 erwartet.
Keine "One Size Fits All"-Lösung
Der Gebäudebestand in Deutschland ist sehr unterschiedlich. So gibt es auf der einen Seite moderne, gut gedämmte Neubauten, auf der anderen Seite jedoch auch einen großen Teil Bestandsbauten. Diese sind auf Grund ihres Alters häufig weniger gut gedämmt und daher nicht im gleichen Maß für den Einsatz einer Wärmepumpe geeignet. Der Einbau einer Wärmepumpe ist aktuell mit nicht unerheblichen Kosten verbunden. Kosten, die sich längst nicht jeder Hauseigentümer leisten kann.
Wärme sollte für alle Verbraucher verfügbar und bezahlbar sein. Das dies keine Selbstverständlichkeit ist, haben die letzten Monate schmerzhaft gezeigt. Sie haben zudem gezeigt, dass es unter dem Aspekt der Energieknappheit nicht klug ist, auf einige wenige Energieträger zu setzen. Im Wärmebereich bilden sich zudem typischerweise Spitzenlasten an einzelnen, besonders kalten Tagen ab. Ein flächendeckender Bedarf an Strom zum Betrieb von Millionen Wärmepumpen zur gleichen Zeit erscheint vor diesem Hintergrund nicht unproblematisch. Abhilfe kann hier ein Energieträgermix schaffen, der auch aus nichtleitungsgebundenen, speicherbaren Energieträgern wie klimaneutralen Brennstoffen und Holzpellets besteht. Nur so kann die Versorgungssicherheit der Bevölkerung und die Bezahlbarkeit des Heizens sichergestellt werden.
Klimafreundliche Brennstoffe können aus Rest- und Abfallstoffen oder aus mit Hilfe von grünem, erneuerbarem Strom hergestellten Wasserstoff, sogenannte E-Fuels, gewonnen werden. Wichtig ist dabei, dass bei ihrer Verbrennung nur das CO2 frei wird, was der Atmosphäre für ihre Herstellung entzogen wurde. Der Brennstoff ist somit klimaneutral.
Eine gute Lösung wäre jedoch auch der Einbau eines Hybridsystems, einer Kombination aus Brennkessel und einer kleinen Wärmepumpe.
Um die Wärmeversorgung zuverlässig, bezahlbar und zunehmend klimafreundlich zu gestalten, braucht es vielfältige und technologieoffene Lösungen. Aus Sicht des MEW sollten Eigentümer unter Berücksichtigung ihrer Gebäude, ihrer finanziellen Möglichkeiten und der örtlichen Infrastruktur weiterhin zwischen geeigneten Heizsystemen und Energieträgern wählen können. Daher ist zu begrüßen, dass der Gesetzgeber mit dem jüngst verabschiedeten Gebäudemodernisierungsgesetz wieder alle Energieträger zur Wärmeerzeugung zulässt und der Hauseigentümer seine Entscheidung selber treffen kann.
Ansprechpartner