Alternative Kraft- und Brennstoffe

Der Klimawandel ist die größte Herausforderung unserer Zeit. Die CO2-Emissionen von Industrie, Verkehr, Gebäude, Landwirtschaft und Energie tragen maßgeblich zu dessen Beschleunigung bei. An diesen Emissionen hatte der Verkerssektor im Jahr 2022 einen Anteil von 20%.

Klimaneutrale flüssige Kraftstoffe können wesentlich zur Defossilisierung des Verkehrssektors beitragen. Ziel muss sein, die CO2-Emissionen so schnell wie möglich zu verringern - und das mit allen Optionen, die sich dafür anbieten: Neben der Elektrifizierung gibt es weitere Möglichkeiten, deren Einsatz sinnvoll, effektiv im Sinne des Klimaschutzes, effizient im Sinne der Nutzung vorhandener Möglichkeiten und erfolgversprechend im Sinne der Verbindung ökologischer als auch ökonomischer Zielsetzungen sind. Dazu zählen klimaneutrale Kraftstoffe.

Sie bieten sehr viele Vorteile und können eine sinnvolle Ergänzung zur geplanten Elektrifizierung bieten – nicht nur dort, wo der Elektromotor schwierig einsetzbar ist wie im Schwerlast-, Flug- und Schiffsverkehr und auch nicht nur für die Pkw-Bestandsflotte.

Was sind alternative Kraft- und Brennstoffe?

Es gibt verschiedene Arten von alternativen Kraft-und Brennstoffen

Welche Vorteile haben diese Kraftstoffe?

Diversifizierung der Energieversorgung und Versorgungssicherheit

Auch mit den ambitioniertesten Ausbauplänen für Erneuerbare Energien wird es nicht ausreichend erneuerbaren Strom in Deutschland geben. Voraussichtlich 880 TWh der insgesamt 1780 TWh müssen im Jahr 2050 importiert werden.

Wir bleiben von Importen abhängig. Sonne und Wind gibt es ausreichend – allerdings in anderen Regionen der Welt. So können Deutschland und die EU die Energieversorgung breit aufstellen und sich unabhängig von einzelnen großen Lieferanten werden.

Effizienz am Auspuff alleine ist nicht ausschlaggebend!

Produktionsanlagen für Wasserstoff und Wasserstoffprodukte (Derivate) können weltweit dort installiert werden, wo es unerschöpflich viel erneuerbare Energien gibt und dort, wo aufgrund starken Windes oder großer Sonneneinstrahlung keine oder kaum eine andere Landnutzung möglich ist. Wind- und PV-Anlagen können in manchen Regionen das siebenfache an erneuerbaren Energien „ernten“ als in Deutschland – und somit dort sehr viel effizienter einsetzbar. Die so „geerntete“ nachhaltige Energie ist einfach transportierbar – auch ohne Neubau-Pipelines als Wasserstoffderivate wie Ammoniak oder als Benzin, Diesel, Nafta oder ähnliche Kohlenwasserstoffe. Wenn man die Effizienz nur am Auspuff misst, wie das oft getan wird, vernachlässigt man viele andere Effizienzfragen. Ein faires Anrechnungssystem für klimaneutrale Kraftstoffe würde den wirklichen CO2-Einsparungen Rechnung tragen. Auf der anderen Seite sind elektrische Antriebe auch nicht dreimal so effizient wie andere Treibhausgaseinsparungsoptionen, nur weil das Deutschland so rechnet – zumal der Strom, der dort angerechnet wird, wieder zunehmend aus Kohle hergestellt wird.

Innovationsstandort Deutschland mit Partnerschaften stärken

Energiepartnerschaften mit Schwellenländern können vor Ort einen neuen Wirtschaftszweig etablieren und Arbeitsplätze schaffen. 470.000 Jobs können so alleine in Deutschland, 1,2 Mio in der EU entstehen. Deutschland kann auf seinen wichtigsten Rohstoff Know-how und die Job-Motoren wie Maschinenbau und Automobilindustrie weiter bauen, wenn es seine Industriestrategie technologieoffen und ingenieursbasiert zukunftsfit macht.

Mobilität schnell defossilisieren durch Beimischung

Der Mobilitätssektor verfehlt seit Jahren seine CO2-Minderungsziele. Mit der Beimischung fossilfreier flüssiger Kraftstoffe könnte schon heute eine viel größere Menge CO2 eingespart werden – mit herkömmlichen Verbrennungsmotoren. Darüber hinaus ist die Umweltleistung synthetischer Kraft- und Brennstoffe viel besser als die fossiler und teilweise auch der von E-Autos – das zeigen Messungen, die fossile Kraftstoffe, synthetische Kraftstoffe und Elektromobile miteinander vergleichen).

Flexibilität in der Anwendung: One fits all

Fossilfreie synthetische Kraftstoffe sind DIN-konform und können in allen herkömmlichen Autos und Lkw verwendet werden, sie sind DIN-normiert und sofort einsatzbereit. Die meisten haben die gleiche hohe Energiedichte für große Reichweiten.

Vorhandene Infrastruktur und Verteilsysteme weiter nutzen

Die Tankstellen (in Deutschland ca. 14.500) können weiter genutzt werden und die Verteilung (Tanklager, Tankschiffe und Tankwagen etc.) geschieht auf den gleichen Wegen wie mit fossilen Kraftstoffen. So ist auch die Verteilinfrastruktur flexibel, ganz gleich, woher die klimaneutralen Kraftstoffe kommen.

E-Fuels und synthetische Kraftstoffe machen den Verbrenner klimaneutral

Jedes Auto und jeder Lkw mit einem Verbrennungsmotor kann damit betrieben werden - egal, ob aus biogenen Stoffen (Bio-Kraftstoffe) oder auf der Grundlage erneuerbaren Stroms produziert. Der Verbrennungsmotor wird so zum klimaneutralen Antrieb – und jede/r kann mit der eigenen Mobilität zum Klimaschutz beitragen. In Deutschland betrifft das 48,8 Mio. Pkw (EU: 246 Mio.) und 3,5 Mio. Lkw. In der EU sollen Prognosen zufolge im Jahr 2030 rund 355 Mio. Pkw. auf den Straßen sein. 87% der EU-Personenbeförderung erfolgt derzeit mit dem Pkw, 6% mit dem Zug.

Ausgereifte Motorentechnik weiter nutzen – weltweite Bestandsflotte klimaneutral stellen

Mit den ausgereiften Motorensystemen können nicht nur die bereits vorhandenen Innovationen weiter genutzt, sondern auch sehr viele Arbeitsplätze in der Auto- und Zulieferindustrie europaweit gesichert werden.

Hohe Energiedichte und leichter Transport für die gewohnte Tankzeit

Klimaneutrale Kraftstoffe sind Speicher erneuerbarer Energien – Sonne und Wind im Tank. Ihr Transport bis zur Tankstelle ist super einfach: in den bisher auch verwendeten Tankern und Tankwagen. Und: In synthetische strom- oder biobasierte Kraftstoffe passt mehr Energie als in eine Batterie!

Große Akzeptanz der Energiewende

Um ausreichend grünen Wasserstoff in Deutschland herzustellen, wären acht Prozent der Grundfläche Deutschlands notwendig. Bisher findet das Windenergie-Ausbauziel kaum Akzeptanz, weil Deutschland enger besiedelt ist als Weltgegenden, in denen es viel Wind und Sonne gibt. Man würde dort quasi niemandem etwas wegnehmen. Darüber hinaus muss sich kein E-Auto kaufen, wer das nicht möchte oder aus unterschiedlichen Gründen nicht kann (ca. 2/3 der Deutschen ziehen den Verbrenner vor). Die raren Stromtankstellen und das Stromnetz würden so entlastet.

Marktchancen schaffen - Investitionssicherheit herstellen

Der politische Rahmen muss so angepasst werden, dass Investoren sicher sein können, dass ihre Investitionen in klimaneutrale Erzeugung von Kraftstoffen sich auch lohnen. Außerdem ist es derzeit unklar, ob diese klimaneutralen Kraftstoffe überhaupt importiert werden können, weil die Bestimmungen dazu sehr restriktiv sind.

Klimaneutrale Kraftstoffe werden zu vergleichbaren Preisen erhältlich sein

Solange die Wasserstoff-Erzeugung aus erneuerbarem Strom noch nicht in großen Mengen möglich ist, werden auch alle Produkte daraus teuer sein. Der Hochlauf der Wasserstoffindustrie ist weltweit in vollem Gange. Auch Länder, die ihre Volkswirtschaften auf fossilen Energieträgern aufgebaut haben, sind dabei, Wasserstoff-Strategien inklusive Derivat-Strategien aufzubauen. Der Hochlauf der Wasserstoffwirtschaft enthält aber auch Chancen für bisher wirtschaftlich weniger entwickelte Länder. Wie bei jedem neu eingeführten Produkt ist zu erwarten, dass die Preise anfangs noch hoch sein werden. Mittel- und langfristig und mit dem weltweiten Ausbau werden die Preise für synthetische klimaneutrale Kraftstoffe vergleichbar zu den heutigen Produktpreisen sein können – wenn sie nicht als „Champagner“, sondern wie fossile Kraftstoffe auch als „Commodity“ herstell- und handelbar sind, sprich der politische Regulierungsrahmen das zulässt.

Der MEW beteiligt sich an einem breit aufgestellten Bündnis, dass die Zulassung des parafinischen alternativen Kraftstoffs HVO100 fordert. Das gemeinsame offene Positionspapier dazu finden Sie auf unserer Startseite.

Anpsrechpartnerinnen
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Kathleen Kollewe
Managerin Energiepolitik und Kommunikation
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Laura Hohle
Managerin Energiepolitik und Kommunikation
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